Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände



Umfassender Nachhaltigkeitsansatz statt Nischendenken – für ein neues Verständnis von „Green Jobs“

Wirtschaftliches Wachstum und wachsende ökologische Erfordernisse miteinander in Einklang zu bringen ist eine der zentralen Herausforderungen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Dabei müssen auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt berücksichtigt werden. Das bisher gängige „Green Jobs“-Konzept wird diesem Anspruch nicht hinreichend gerecht.

„Green Jobs“ dürfen nicht auf die Produktion von Umweltschutzgütern und umweltorientierte Dienstleistungen verengt werden. Obgleich in der Umweltindustrie in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze entstanden sind, ist eine Unterscheidung zwischen Arbeitsplätzen in „alten“ Industrien und in vermeintlich fortschrittlicheren, „grünen“ Industrien weder gerechtfertigt noch zielführend: Einerseits werden damit die umfangreichen Bemühungen, Nachhaltigkeit in der Wirtschaft insgesamt zu stärken, konterkariert. „Green Jobs“ lassen sich nicht trennscharf von „traditionellen“ Wirtschaftszweigen abgrenzen, da Umweltschutz vor allem auch produkt- und prozessbezogen stattfindet – etwa durch Minimierung des Material- oder Energieeinsatzes. Andererseits wird ignoriert, dass die Umweltindustrie von Produkten und zum Teil zwangsläufig energieintensiven Vorleistungen anderer Branchen abhängig ist: Windenergie, Solartechnik oder energetische Gebäudesanierung sind ohne Stahlindustrie oder chemische Industrie undenkbar.

Statt einseitig bestimmte Branchen in den Fokus zu stellen und zu begünstigen, muss das „greening of the economy“ insgesamt in den Mittelpunkt gerückt werden. Nur so können Umweltschutzbemühungen zum Motor für Wachstum und Beschäftigung werden. Die Politik kann und muss durch berechenbare, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und eine verlässliche Energiepolitik die Grundlage dafür schaffen, dass Innovationen im Umweltschutz und ein effizienter Ressourceneinsatz in der Wirtschaft insgesamt befördert werden, ohne die industrielle Basis zu gefährden. Zentrale Voraussetzung, um das Know-How für beständige Produkt- und Prozessinnovationen zu generieren, sind mehr qualifizierte Fachkräfte vor allem im MINT-Bereich.

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