Deutscher Gewerkschaftsbund



Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften haben sich bereits seit Beginn der 80er Jahre für eine Verbindung von Arbeit und Umwelt eingesetzt, um damit rbeitslosigkeit und Umweltzerstörung gleichermaßen zu bekämpfen. Durch diese Verbindung wurden in den Bereichen Abfallwirtschaft, Luftreinhaltung, Wasserreinhaltung, Export von Umwelttechnologien, energetische Gebäudesanierung etc. Hunderttausende von neuen Arbeitsplätzen geschaffen. Im Umweltbereich arbeiten mit ca. 2 Millionen Beschäftigten heute mehr Menschen als in der Automobilindustrie.

Seit dem Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Debatte um die Green Economy wieder neu entbrannt. Die „Vergrünung“ der Wirtschaft und der Übergang auf eine kohlenstoffarme Entwicklung werden seither in immer weiteren Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft als Königsweg gesehen, um die negativen Folgen der Krise zu überwinden. Die wieder zunehmende Kanalisierung von Investitionen in den Umweltbereich gilt dabei als wichtiges Mittel, um das verselbständigte Finanzkapital in die reale Wirtschaft zurück zu lenken und das Job Potenzial der Green Economy zu nutzen. Ergänzt werden die Umweltinvestitionen durch das steigende Investitionsvolumen zur Umsetzung der Energiewende.

Mit den Umwelt- und Energieinvestitionen können nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen und die Umweltbelastungen reduziert werden. Der Prozess kann auch zu einer Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen beitragen. Dies setzt jedoch voraus, dass der Staat einen ordnungsrechtlichen Rahmen setzt, der die Investitionen in die richtige Richtung lenkt. Regulierung ist wieder eine wichtige Voraussetzung, um die gesellschaftlich notwendigen Ziele zu erreichen. Selbst der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in seinem Umweltgutachten 2012 ausdrücklich auf die Notwendigkeit der staatlichen Regulierung im Umweltbereich hingewiesen.

Die Gewerkschaften sehen sich daher in ihrer bisherigen Auffassung bestätigt: die grüne Wirtschaft darf nicht nur als neues Geschäftsfeld gesehen werden, sondern sie muss im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung organisiert und umgesetzt werden. Dies bedarf nicht nur der Regulierung auf nationaler Ebene, sondern es bedarf auch der Regulierung auf europäischer und internationaler Ebene. Die Green Economy wird keinen nachhaltigen Erfolg zeitigen, wenn gleichzeitig die WTO mit Vorschlägen zur Schaffung neuer Freihandelszonen auf den Plan tritt, um höhere Gewinne auch ohne Sozial- und Umweltstandards zu ermöglichen. Das Ziel, den richtigen Gedanken einer grünen Wirtschaft zu erhalten, muss sich daher auch in der Stärkung internationaler Strukturen für Umwelt und nachhaltige Entwicklung niederschlagen.

Umweltarbeitsplätze oder „Green Jobs“ sind nicht von vornherein gute Arbeitsplätze. Es ist daher unumgänglich, die neuen Arbeitsplätze in den Zukunftsbereichen mit guten Arbeitsbedingungen zu verknüpfen und gut zu entlohnen. Daneben muss aber auch die Beteiligung der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften beim Umweltschutz im Betrieb gestärkt werden, um das Innovationspotential der Arbeitnehmer in den Betrieben besser nutzen zu können. Dazu gehört eine Verbesserung des Informationszugangs der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften ebenso wie eine bessere Qualifizierung der Arbeitnehmer für die anstehenden Zukunftsaufgaben. Nur unter diesen Bedingungen wird die Green Economy den Anforderungen der Nachhaltigkeit gerecht, schafft sie gute Arbeit, hilft sie Arbeitslosigkeit zu reduzieren, verbessert sie die Arbeits- und Lebensbedingungen und dient der Erhaltung einer lebenswerten Umwelt.

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