Deutscher Naturschutzring



Green Economy heißt Umbau

Zwei Begriffe, die eng zusammenhängen, haben in den letzten Jahren Karriere gemacht, ohne eine durchschlagende Bedeutung zu bekommen: Nachhaltigkeit und Green Economy. Sie kommen aus der ökologischen Debatte, müssen vor dem Hintergrund von Klimawandel, Peak-Oil und Verlust der Biodiversität gesehen werden, bzw. sich daran messen lassen, wie sie die Naturvergessenheit überwinden. Aber weil damit unbequeme Wahrheiten verbunden sind, wird insbesondere die Leitidee der Nachhaltigkeit oft beliebig benutzt und inhaltlich entleert.

Was wir heute erleben, geht über die bekannten Krisen der letzten Jahrzehnte hinaus. Wir erleben das Ende einer Epoche, das sich seit Ende der 1970er-Jahre aufbaut. Seitdem werden die Grenzen des Wachstums immer deutlicher, nicht nur der ökologischen, sondern auch der sozialen und ökonomischen Grenzen. Zugleich wurde die Handlungsfähigkeit des Nationalstaats, der die soziale Marktwirtschaft ermöglicht hat, durch die Globalisierung deutlich geschwächt. Um dennoch zu höheren Wachstumsraten zurückzukehren, kam es zu Neoliberalimus und zur Dominanz der Finanzmärkte. Es setzte sich eine Ökonomie der Kurzfristigkeit durch, das Gegenteil der Nachhaltigkeit.

Vor diesem Hintergrund ist die Green Economy keine Ergänzung der bisherigen Wirtschaftsform, sondern erfordert einen weitreichenden Umbau, der Effizienz, Suffizienz und Konsistenz umfasst. Es geht nicht um ein sowohl als auch, sondern um ein entweder – oder. Die Green Economy muss nachhaltig sein und gegen altes Denken und starke Interessen durchgesetzt werden. Entscheidend ist das Innovationsverständnis. Wir orientieren uns an der Theorie von Schumpeter von 1939 in den “Konjunkturzyklen”. Dabei geht es nicht nur um einzelne technische oder ökonomische Innovationen, sie müssen eingeordnet sein in einen grundlegenden Modernisierungsprozess in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, der vom Bildungssystem über die staatlichen Institutionen bis zur Finanzreform reicht. Dann werden Nachhaltigkeit und Green Economy konkret gefüllt und eine “Ökonomie des Vermeidens” möglich.

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