B . Nachhaltiger Konsum

Datum: 02/11/2016
Zeit: 14:00 - 15:30, 16:00 - 17:00
Ort: Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom, Berlin

Sprache: Deutsch

„Nachhaltiger Konsum" bedeutet heute so zu konsumieren, dass die Bedürfnisbefriedigung heutiger und zukünftiger Generationen nicht gefährdet wird, dabei Umwelt und Natur schützt, hinreichende und gesunde Ernährung sicher stellt und die Verteilungsaspekte und Wirkungen auf andere Bevölkerungen (international) einbezieht.

In diesem Workshop werden drei ausgewählte Themenfelder diskutiert, zu denen das Fachforum Empfehlungen entwickelt hat:

  • Konsumenten-Verhalten verstehen und wirksam auf Nachhaltigkeit ausrichten;
  • Steuerungsmöglichkeiten am Beispiel Lebensmittel-Verschwendung; indirekte Effekte
  • Nachhaltigkeitsbewertung und –Monetarisierung: Königsweg oder Sackgasse?

Zu den drei Themenblöcken werden die Empfehlungen durch Vertreter des Fachforums Nachhaltiges Wirtschaften vorgestellt und von eingeladenen Rednerinnen und Rednern kommentiert. In der anschließenden Diskussion soll es darum gehen, welche Aktivitäten oder Prozesse zur Umsetzung es bereits gibt oder sinnvoll wären, wer dort eingebunden werden sollte und wo noch Forschungsbedarf besteht.

Moderator:

Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor, Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF), Universität Bonn

Panel des Fachforums „Nachhaltiges Wirtschaften"

(Sprecher) Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor, Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF), Universität Bonn
Ansgar Klein, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
Olaf Tschimpke, NABU
Prof. Götz W. Werner, DM Drogeriemärkte
Ulrike Schell, Verbraucherzentrale NRW

Block 1: Konsumenten-Verhalten verstehen und wirksam auf Nachhaltigkeit ausrichten

Viele Konsumenten geben an, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist, doch ihr Kaufverhalten ist weit überwiegend anders. Wenn wir Verbraucherinnen und Verbraucher in Zukunft wirksam dabei unterstützen wollen, ihren Konsum nachhaltig zu gestalten, dann müssen wir zunächst die komplexen Zusammenhänge zwischen individueller Wahlentscheidung, sozialen Strukturen, psychologischen Mustern und physiologischen Mechanismen besser verstehen. Welche Beiträge kann hier eine interdisziplinäre Forschung liefern, die (Verhaltens-)ökonomische, soziologische, psychologische und physiologische Ansätze miteinander verbindet, und in transdisziplinären Settings unter Einbindung der wirtschaftlichen Akteure untersucht? In wie weit verhilft ein systemischer Ansatz zu besser nutzbaren Ergebnissen, oder in wie weit stehen Komplexität und Anwendbarkeit in Widerspruch zueinander?

Welche Orientierungsmöglichkeiten und Signale für einen nachhaltigen Konsum gegeben werden, in wiewet gehören Nachhaltigkeits-„Faustregeln" wie z.B. Produkte „aus der Region" und „Bio..." gehören auf den wissenschaftlichen Prüfstand? Es geht darum, das Konzept „nachhaltiger Konsum" wissensbasiert und partizipativ, nicht reglementierend im gesellschaftlichen Diskurs verankern – was können die nächsten Schritten sein?

Eingeladene Redner

Prof. Monika Hartmann, Universität Bonn
Dr. Wolfgang Adlwardt, GfK

Block 2: Steuerungsmöglichkeiten am Beispiel Lebensmittel-Verschwendung; indirekte Effekte

Die Wirksamkeit und Effekte von Einflussoptionen zwischen Information und Werbung über Bildung und Nudging bis hin zu klassischer Ordnungspolitik (Gebote, Verbote, Steuern und Abgaben) sind in Hinblick auf Konsum bislang noch nicht hinreichend empirisch validiert. Ziel muss sein, Einflussoptionen in realen Kontexten zu testen und zu optimieren.

Das konkrete Problem der Lebensmittelverschwendung bietet gute Optionen für die Vermittlung des gesamten Problemfeldes. Hier sollten kurzfristig verstärkte Maßnahmen verschiedener Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ansetzen – wie derzeit auch in der Bundesregierung im rahmen einer „Nationalen Strategie Reduzierung von Lebensmittelabfällen und –verlusten" erarbeitet wird. Dazu stellt sich nicht nur die Frage, wie die Abfälle in Deutschland wie auch Verluste bei der Produktion und Lagerung in Schwellen- und Entwicklungsländern durch Innovation und verbesserte Infrastrukturen reduziert werden können? Vielmehr sind auch die dazu in den Blick genommenen Instrumente und Ansätze der Steuerung und Beeinflussung danach zu hinterfragen, in wie weit sie die erwünschten Ziel erreichen, wie sie verbessert und ergänzt werden können. In dem Zusammenhang ist auch nach der Wirkung und Wirksamkeit von Bildungsansätzen zu fragen.

Eingeladene Redner

Prof. Dr. Lucia Reisch, Copenhagen Business School / Zeppelin Universität

Block 3: Nachhaltigkeitsbewertung und –Monetarisierung: Königsweg oder Sackgasse?

Grundlage für eine verbesserte Nachhaltigkeit in Produktion wie Konsum ist es, in der Nachhaltigkeitsbewertung substantielle Fortschritte zu machen. Die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen, aber auch von Lifestyles muss nachvollziehbar bewertet und sichtbar gemacht werden. Dafür sind Kompetenzen und Verfahren zu entwickeln, die neben den eingesetzten Ressourcen auch die ökologischen und sozialen Wirkungen über den Gesamten Lifecycle berücksichtigen. Angesichts der globalen, vielfach verzweigten Wertschöpfungsnetzwerke, werden zur Herstellung von Transparenz ganz neue Methoden zu erarbeiten sein (z.B. unter Nutzung von big data).

Es ist allerdings bislang noch nicht geklärt, ob es in absehbarer Zeit gelingen kann, die grundsätzlichen Probleme einer umfassenden Nachhaltigkeitsbilanz zu überwinden – etwa die Zuordnung von Umweltwirkungen zu konkreten Produkten in stark verzweigten Wertschöpfungsnetzwerken, die Unschärfe von Durchschnittsmodellen bei der Bewertung von Einzelprodukten oder die Verbindung von Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsaspekten in einem Modell.
Doch auch wenn diese Probleme (partiell) gelöst werden, bringen Analysen und Daten allein noch keine klare Bewertung von Nachhaltigkeit mit sich – dazu bedarf es einer gesellschaftlichen Verständigung.

Eingeladene Redner

Prof. Dr. Rainer Grießhammer, Öko-Institut e.V.
Björn Klusmann, Forum Ökologisch-soziale Marktwirtschaft

Fotos

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